Klodeckel des Tages

24. Mai 2015

Das Trojanische Pferd: Frontalangriff auf die „geprägte Freiheit“

Filed under: Tagesthema — Liberale Warte @ 14:30
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Als Mitglied im Sachverständigenrat, der die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, gilt man im Volksmund als „Wirtschaftsweiser“. Und der Ehrentitel ist durchaus verdient, schaffen es doch die wenigsten Ökonomen jemals in das erlauchte Fünfer-Gremium. Dort angekommen, lesen sie der Bundesregierung regelmäßig die Leviten, um falsche Weichenstellungen so früh wie möglich zu korrigieren. Nicht immer kommt das gut an, wie die Anfeindungen aus den Reihen der SPD nach dem letzten Jahresbericht der „Wirtschaftsweisen“ gezeigt haben. Es ging dabei vor allem um den Mindestlohn. Einer von ihnen hatte allerdings schon damals seine ganz eigene Meinung: Der gewerkschaftsnahe Peter Bofinger. Er tanzt immer wieder aus der Reihe und scheint seine Einschätzungen mehr auf die Liebe zu roten Parteifarben zu gründen als auf volkswirtschaftliche Erkenntnisse. In dieser Woche machte Bofinger einmal mehr von sich reden. Den „Klodeckel“ erhält er für seinen Vorschlag, das Bargeld abzuschaffen. Der Vorstoß ist nicht neu. In vielen europäischen Ländern gibt es ähnliche Überlegungen, vor allem im südlichen Europa. So gilt in Italien bereits seit einigen Jahren eine Obergrenze von € 1.000 für Bargeldzahlungen. Frankreich wird im Herbst nachziehen. In Griechenland sind es € 500.

In Skandinavien geht man einen anderen Weg, der jedoch auf das gleiche Ziel hinausläuft. Dort dürfen die Händler entscheiden, ob sie Scheine und Münzen überhaupt annehmen. Was auf den ersten Blick wie ein besonderer Service für den Verbraucher daher kommt, ist in Wahrheit ein trojanisches Pferd. So bequem es ist, immer und überall ohne das lästige Kleingeld in der Tasche herumzulaufen, so sehr liefert der bargeldlose Verkehr die Menschen der Kontrolle des Staates aus. Zwar wird niemand bestreiten wollen, dass es notwendig ist, Geldwäsche und Schwarzarbeit zu bekämpfen. Und auch das organisierte Verbrechen wird sich schwerer tun ohne Bargeld. Nicht ohne Grund war Italien der Vorreiter. Doch wäre es zu kurz gesprungen, diese offensichtlichen Vorteile höher zu gewichten als die gravierenden Beschränkungen für die Freiheit. Denn künftig werden selbst die banalsten Alltagstransaktionen einen ungeahnten Rechtfertigungsdruck ausüben, wenn etwa der Fiskus hinter der regelmäßigen Unterstützung des Enkels durch die Oma ein meldepflichtiges Beschäftigungsverhältnis vermutet. Und so wahrscheinlich es ist, dass sich diese Dinge klären lassen, so sicher ist, dass wir Bürger künftig immer mehr Fragen zu beantworten haben.

Warum also wollen Bofinger und viele andere uns das (Bar-)Geld wegnehmen? Die Antwort ist simpel: Je mehr davon im Umlauf ist, umso schwieriger ist es für Zentralbanken, Geld über Negativzinsen zu „besteuern“. Diese lassen sich nämlich nur auf Kontoguthaben erheben. War die EZB einmal für Geldwertstabilität zuständig, so hat die sich immer weiter zuspitzende Krise staatlicher Haushaltspolitik längst zu ihrer politischen Instrumentalisierung geführt. Und so läuft die „Mission Enteignung“ auf vollen Touren. Doch wo den Bürger weiter schröpfen, wenn der sein Geld zuhause liegen hat? Wie also herankommen an die Spargroschen der Menschen? Nullzinsen und reale Geldentwertung sind bereits Praxis. Doch das genügt der Politik nicht. Erst die vollständige Kontrolle aller Geldströme maximiert das Abschöpfungspotential und schafft den „gläsernen Finanzbürger“. Dies ruft bei manchem lediglich ein Schulterzucken hervor; erstaunlich weit ist die Ansicht verbreitet, der Staat habe ein Recht darauf, immer zu wissen, was seine Bürger tun. Doch das hat er nicht! Es wird Zeit, sich die Vorzüge unserer scheinbar selbstverständlichen Demokratie ins Gedächtnis zu rufen. Bargeld ist „geprägte Freiheit“ – wer es aufgibt, verliert viel mehr als er sich heute vorstellen mag.

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7 Kommentare »

  1. […] Beitrag erschien auch auf: meinungsfreiheit24.wordpress.com […]

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    Pingback von Das Trojanische Pferd: Frontalangriff auf die “geprägte Freiheit” | FreieWelt.net — 27. Mai 2015 @ 11:53 | Antwort

  2. Wer erinnert sich an das Buch 1984 ? Und nun mal dadrüber nachdenken, wo wir stehen .
    Bofinger + Wirtschaftsweiser.. die Lachnummer überhaupt. Über den Begriff “ Wirtschaftsweiser“ könnte man übrigens auch vortrefflich streiten. Bofinger ist Lobbyist, sonst nichts. Und von Wirtschaft hat er soviel Ahnung wie ein Maurer von einer Gehirn OP .
    Zurück zum Thema Bargeld : Die allererste Frage, die ich mir stelle ist immer die gleiche Frage : Cui bono ?
    Stichworte : Vorratsdatenspeicherung ( fast abgenickt ), PKW Maut, ab 2018 GPS in jedem neuem PKW, elektronischer Personalausweis + Gesundheitskarte ( tolles Neudeutsch übrigens ! ), Und nun auch Bargeld abschaffen ( die pöhsen Drogendealer + Steuerhinterzieher + Schwarzarbeiter ). Mhmmm. Mir fällt dazu nur eins ein : Totalüberwachung 4.0 !
    Und der deutsche Michel reagiert wie immer…. gar nicht.
    Vor 30 Jahren war das anders…etwas anders . Da gabs sogar Aufkleber in der Blöd Zeitung, als Sprit mal 10 Pfennig teurer wurde…was heutzutage normal ist… der Preis schwankt täglich gerne mal von 4 – 6 Cent .
    BND Affaire ? Was ?
    NSA ? Wah ?
    Es ist so traurig, Willy Brandt würde sich im Grabe umdrehen, wer er das wüsste .
    Die Griechen werden gebashed ohne Ende, die Faschos in Kiev kriegen mal 1,8 Milliarden. Und Putin ist sowieso an Allem schuld.
    *kopfkratz
    Aber Mutti sagt ja : Deutschland gehts gut !
    Manchmal hasse ich es, das Gott mir Geist gegeben hat…..
    MfG, K.Müller

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    Kommentar von Kevin Müller — 27. Mai 2015 @ 00:00 | Antwort

  3. es ist schon erstaunlich, wie wenig die Menschen die Tragweite der Bargeldabschaffung begreifen!

    da sag ich nur:
    – du demonstrieren — ich dir Konto sperren
    – du schlecht über Regierung reden — ich dir Konto sperren
    – du nicht tolerant sein — ich dir Konto sperren

    wie das funktioniert, zeigen schon heute die Finanzämter, die sich nicht mal an Gerichtsbeschlüsse halten und die Konten widerrechtlich sperren.

    Es ist blauäugig an das Gute bei Politiker und Behörden zu glauben – fragt mal die 100 Millionen Tote der beiden Weltkriege!

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    Kommentar von Fritz Huber — 26. Mai 2015 @ 18:50 | Antwort

    • Wobei die obigen drei genannten Punkte mittelfristig die Maximalkonsequenzen für nur wenige sein werden. Langfristig? Oh, Herr verschone uns!
      Kurzfristig wird aber so Manchem auffallen, daß er plötzlich nicht mehr mal eben dem Nachbarsjungen ein paar € für das Rasenmähen zustecken kann, oder den eigenen Kindern für ein Eis! Denn entweder muß er dies via Überweisung auf die Karte des Jungen tun (sofern der eine, und damit zwangsläufig ein eigenes Konto, hat.), oder er müsste die eigene Karte (und evtl. die PIN ?) den Kindern aushändigen, damit die sich dann mit seiner Karte ein Eis kaufen können. (Was noch weitere zu lösende Frage aufwirft!)
      Plötzlich wird der Teller vor Toiletten z.B. in Warenhäusern, auf Volksfesten etc. fehlen und durch einen elektronischen Zahlautomaten ersetzt! Und dann wird (hoffentlich) jedem beim Durchschauen der eigenen Kontoauszüge aufgehen, daß damit auch das Finanzamt exakt nachvollziehen kann wann er auf welchem Volksfest, Warenhaus etc. auf der Toilette war, und, da auch das Bier nur noch so bezahlt werden kann, wieviele er getrunken, bzw. ausgegeben hat. Oder, was er wann z.B. in einer Filiale eines Flensburger Unternehmens an „Spielzeug“ gekauft hat, wie lange er da in den Kabinen gesessen hat. Und es wird ihm (hoffentlich) aufgehen, daß (nicht nur das Finanzamt) damit nachvollziehen kann wie häufig er Häuser des Horizontalen Gewerbes aufsucht, wieviel seine Frau und Tochter monatlich für weibliche Hygieneartikel ausgeben (und dann evtl. durch die Verringerung solcher Artikel eher über die Schwangerschaft einer von Beiden informiert ist, als er). Wie häufig er Fast Food isst, etc.
      Und da steckt auch Erpressungspotential drin, denn die Einschätzung bezüglich der Finanzämter kann ich nur bestätigen.
      Fragt der freundliche Finanzbeamte aus der Nachbarschaft: „Weiß ihre Frau eigentlich wie häufig Sie in dem xyx Etablissement sind und wieviel Sie da ausgeben? – Nicht? – Dann sollten Sie doch noch mal ihre Steuererklärung nachrechnen! Ich fürchte ihre zu zahlenden Steuern liegen doch höher!“
      Nur ein paar – für den „Normalverbraucher“ wahrscheinlich eher zu begreifende – Beispiele welche Konsequenzen das auch für ihn hat und welches Gefahrenpotential darin steckt!
      Hirngespinste? Verschwörungstheorie? Unser Staat, unsere Beamten tun sowas nicht!
      Nur das Thema Kontoabfrage. Wie hat man es uns verkauft? Als Mittel gegen Schwarzgeld, Steuerhinterziehung und Terrorbekämpfung! Und was wurde daraus? Obige Straftaten müssten, nach den Kontoabfragezahlen zu urteilen, geradezu explodiert sein!

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      Kommentar von dentix07 — 27. Mai 2015 @ 00:00 | Antwort

  4. […] Das Trojanische Pferd: Frontalangriff auf die “geprägte Freiheit” (meinungsfreiheit) […]

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    Pingback von News 24.05. 2015 | Krisenfrei — 25. Mai 2015 @ 01:34 | Antwort

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    Pingback von Das Trojanische Pferd: Frontalangriff auf die “geprägte Freiheit” - Der Blogpusher — 24. Mai 2015 @ 16:12 | Antwort

  6. […] von: Klodeckel des Tages […]

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