Klodeckel des Tages

13. November 2011

Filed under: Tagesthema — Klodeckel des Tages @ 14:30
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Den Klodeckel des Tages erhält die Ratingagentur Standard & Poor´s. In einer Zeit, in der die Ratings der drei großen amerikanischen Agenturen mit einer Aufmerksamkeit verfolgt werden wie nie zuvor, wurde Frankreichs Bonität ohne zwingende Erkenntnisse herabgestuft. Zwar wurde der „technische Fehler“ nach unglaublichen 100 Minuten korrigiert, doch weiß selbst der Laie, dass diese Zeitspanne in unserer heutigen Welt ausreicht, um die maximale zerstörerische Kraft zu entfalten. Man muss es schon sehr gut mit den Ratingagenturen meinen, um ein Versehen zu unterstellen. Ein nachhaltiger Wirkungstreffer ist der Vorgang deshalb, weil der Schaden mit der Rücknahme der Herabstufung Frankreichs keineswegs behoben ist, sondern mit dem kurzzeitig im Raum stehenden Malus Zweifel gesät wurden, die nicht mehr zu zerstreuen sind. Es ist kein Geheimnis, dass die amerikanische Regierung wie vor allem auch die amerikanische Finanzindustrie keinerlei Interesse an einem starken Euro hat, der im ersten Jahrzehnt seines Bestehens dem US-Dollar schleichend aber stetig Anteile am Weltmarkt abnehmen konnte. Inzwischen beträgt der Anteil des Euros an den weltweiten Währungsreserven fast 30%, ein Anstieg um mehr als zehn Prozentpunkte seit 1999, der fast vollständig zulasten des US-Dollars ging. Was liegt also näher, als mithilfe der von der amerikanischen Finanzindustrie gesteuerten Ratingagenturen für Unsicherheit zu sorgen und potentielle Euro-Anleger zu verschrecken? Schon heute haben die USA alle Mühe, die aufkeimenden Begehrlichkeiten so mancher ölexportierender Staaten klein zu halten, die sich vorstellen könnten, nicht mehr in US-Dollar, sondern in Euro oder in eigener Währung abzurechnen. Eine Fakturierung des weltweiten Ölhandels in einer Nicht-Dollar-Währung wäre für Amerika der GAU, weil der heimischen Bankenwelt enorme Einnahmen wegbrächen und die grundsätzliche Bedeutung als Supermacht über kurz oder lang in Frage gestellt würde. Die amerikanischen Ratingagenturen scheinen dafür sorgen zu wollen, dass es gar nicht erst soweit kommt. Mancher Krieg wird heute eben ohne Panzer und Artillerie geführt…

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1 Kommentar »

  1. Die Verschuldung der USA ist so extrem, dass es mancherorts kaum noch Polizei und Feuerwehr gibt, Gefängnisinsassen begnadet werden müssen, weil man die Verpflegung und Unterbringung nicht mehr finanzieren kann uvm. Siehe auch: http://bit.ly/oHhRyY

    Man setzt auf Öl, Wachstum und eigene Stärke. Das letzte Öl wird mit fragwürdigen Methoden aus der texanischen Erde gepresst, ein neuer Öl-Boom, allerdings auf Kosten der eigenen Bevölkerung und der Umwelt. Man höre diesen Beitrag der Tagesschau: http://bit.ly/u8BKqU

    Alles ist darauf programmiert, den altbekannten Highway mit Vollgas weiterzufahren, obwohl es der „Highway to Hell“ ist. Man tut sich im Land der unbegrenzten Schulden sehr sehr schwer, eine neue Art des Wirtschaftens einzuführen. Obama-Land ist abgebrannt. Und im Euroland brennt es schon ganz schön und manche haben Spaß daran, Öl ins Feuer zu giessen. Kurzfristig gedacht.

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    Kommentar von Hans-Udo Sattler — 13. November 2011 @ 18:42 | Antwort


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